Einen Tag im Leben eines Busfahrers

Busfahrer vor dem Bus stehend

Der Beruf des Busfahrers ist nicht nur von großer Bedeutung für die Mobilität, sondern auch von kultureller Vielfalt geprägt. Insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels in dieser Branche ist es entscheidend, einen Einblick darüber zu erhalten, wie der Arbeitsalltag gestaltet wird. Fransi Pinderi, 30 Jahre alt aus Thessaloniki kam vor 11 Monaten nach Deutschland, genauer gesagt nach Nienburg um beim MittelWeserBus (Transdev Niedersachsen/ Westfalen) als Busfahrer zu arbeiten. Im Folgenden haben wir ein Interview mit Ihm geführt, um seine Erfahrungen und Eindrücke zu teilen:

Hier bist du Mensch, man kann miteinander reden und Probleme oder Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen.
Fransi Pinderi
Fransi in der Kabine sitzend

Warum bist du nach Deutschland gekommen?

Fransi: “Ich wollte bessere Voraussetzungen in meinem beruflichen Leben erreichen, um einen lebenswerten Lebensstandard aufzubauen. In Griechenland habe ich in zwei Jobs die Woche durchgehend gearbeitet und konnte meine Ausgaben gerade so decken. Jetzt habe ich einen, nicht mehrere Jobs und bin viel zufriedener.“

Wie gefällt es dir bisher hier in Deutschland?

Fransi: “Ich habe hier Perspektiven, die ich in Griechenland nicht hatte, wenn du etwas werden willst in Deutschland, dann kannst du das auch schaffen. Ich würde gerne mein Deutsch verbessern, damit ich mich in der Mitte angekommen fühle, aber ich sehe meine Potentiale. Hier steht auch die Menschlichkeit an erster Stelle, das weiß das sehr zu schätzen. Ich bin außerdem sehr glücklich darüber, dass ich jetzt nach 11 Monaten beim MittelWeserBus meinen neuen griechischen Busfahrerkollegen und Kolleginnen Abläufe und die Funktionen erklären darf und als Lehrfahrer tätig sein darf, ich fühle mich sehr geehrt, dass mir bereits so viel Vertrauen entgegengebracht wird.“

Welche Chancen siehst du in deinem Job?

Fransi: “ Dieses Jahr im September fliege ich mit nach Griechenland, nach Thessaloniki, meine Heimatinsel, um neue Kollegen und Kolleginnen anzuwerben, dass ist au jeden Fall eine der größten Chancen, meine Landsleute mit in meine neue Heimat zu bringen. Ich habe außerdem sehr viel Spaß daran mich mit Leuten zu unterhalten, das fällt mir leicht. In Griechenland habe ich als Barista gearbeitet, vielleicht liegt das auch ein Stück weit daran.“

Wie kamst du dazu Busfahrer zu werden, war das auch ein Beruf in Griechenland?

Fransi: “ In Griechenland habe ich in einem anderen Beruf gearbeitet, Ich mochte aber schon als kleiner Junge gerne Autos und Motoren und habe deshalb in einer Werkstadt an Autos geschraubt. Das habe ich drei Jahre lang gemacht und dann meinen LKW und Bus-Führerschein, weil ich schon immer große Maschinen mochte. Ich habe dann nach einem Job gesucht, als Bus- oder LKW-Fahrer, mehrere Arbeitgeber haben mich dann zurückgerufen und gefragt, ob ich bereits Berufserfahrungen habe ich habe Ihnen erzählt, ich hätte nur den Führerschein. Aber ein Vermittler hat dann dem MittelWeserBus und your Mellon gesprochen und wir haben vereinbart, dass ich einen Monat Praxiserfahrungen sammeln kann. Der MittelWeserBus hat dann auch gesagt, dass sie mich gerne als Busfahrer einstellen würden und ich habe wirklich viel Spaß daran, Busse zu fahren, ob mit oder ohne Gelenk! Letztes Jahr im Februar habe ich hier angefangen zu arbeiten und es gefällt mir richtig gut.“

Wie unterscheidet sich dein Arbeitsumfeld hier von dem in Griechenland?

Fransi: “Es ist so vieles anders! Hier bist du Mensch und kannst mit allen auf Augenhöhe sprechen und Probleme und Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen. Das schätze ich sehr an den Kollegen und Kolleginnen beim MittelWeserBus. Die Hierarchie ist flacher, nicht so strikt, wie ich es sonst erlebt habe.“

Welchen Ratschlag würdest du anderen Griechen geben, die sich in Deutschland auf eine ähnliche Stelle bewerben möchten?

Fransi:” Zuallererst würde ich sagen, kommt es auf die Ausgangssituation an: Wenn du eine Familie und Kinder hast und nach Deutschland kommen willst, hast du viele gute Chancen hier, die auch deine Familie nutzen kann: Beispielsweise haben deine Kinder durch einen deutschen Schulabschluss sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, auch international gesehen. Das ist anders als in Griechenland: Für viele junge Leute gibt es nah der Universität keine große Chance einen Job zu finden. Du brauchst entweder viel Glück oder musst jemanden kennen, der die dabei behilflich ist. Wenn ich mir bewusst mache, wie das Leben hier in zum Beispiel 5 Jahren sein kann, sehe ich da eine Perspektive! Aber das Leben hier ist schon etwas anders als in Griechenland: allein das Wetter ist eine ziemliche Umgewöhnung: auf Thessaloniki sind es angenehme 18 Grad und hier, als ich vorgestern zurückkam, war es sehr kalt.“

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen beim MittelWeserBus?

Fransi: “Mit allen Kolleginnen und Kollegen habe ich eine gute Basis, langsam kenne ich die Leute und habe auch Arbeitskollegen mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite. Ich habe unter anderem meinen besten Freund aus Griechenland hier nach Deutschland geholt, der fängt auch demnächst hier beim MittelWeserBus als Busfahrer an. Es sind sehr viele völlig unterschiedliche Menschen hier. Viele kommen aus Griechenland, aber auch aus ganz anderen Teilen der Welt.“

Wie groß waren die Unterschiede in der Arbeitskultur in Deutschland und Griechenland?

Fransi:” Am Anfang, war es persönlich für mich sehr schwierig mich einzugewöhnen, ich habe nur gearbeitet und war dann zuhause. Der Arbeitsalltag war sehr präsent. Irgendwann bin ich auch allein ausgegangen und habe die Stadt erkundet. Ich habe auch dort einen Griechen kennengelernt, der bereits seit 12 Jahren in Deutschland lebt. Durch den Kontakt habe ich jetzt einen neuen Freundeskreis. Das hat mir sehr geholfen den Anschluss zu finden. Außerdem hat sich mein Lebensstandard jetzt schon sehr geändert: Ich sehe Nienburg als meine Heimat an, das habe ich im Urlaub auf Thessaloniki gemerkt.

Wie erlebst du die Verkehrssituation im Vergleich zu der in Griechenland?

Fransi: “ Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist hier keine Option, sondern etwas woran man sich wirklich halten muss! Das ist ganz anders als in Griechenland, auch der Straßenzustand ist deutlich besser. Ich bin hierhergekommen und habe mir gesagt, alles das, was ich in Griechenland gelernt habe, das Fahrverhalten etc. lege ich ab und starte ganz neu hier in Deutschland. Hier fahre ich nach Straßenverkehrsordnung.“